nextroom.at

Profil

Architekturstudium in Graz und Delft
Seit 1999 Arbeit als Architektin in Hamburg
Seit 2005 freie Architekturjournalistin in Wien
2009 – 2020 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt
Seit 2022 Podcasterin: www.morgenbau.at

Lehrtätigkeit

Seit 2024 MSA Münster

Karte

Artikel

19. August 2006 Der Standard

Das Wohnen ist vor der Tür

Der Sommer ist für viele die Zeit des zweiten Wohnsitzes am Land. Doch heute will man keine heimeligen Stuben mehr und keine kleinen Fenster, sondern Wohnräume, die sich ganz und gar der schönen Landschaft widmen. Denn im Ferienhaus, da zählt nur eins: das Drumherum.

Wie soll ein Ferienhaus aussehen? Le Corbusier entwarf für sich und seine Frau eine schlichte, einfache Holzhütte. Sie steht in Roquebrune direkt an der Côte d'Azur. Auf gerade mal 16 Quadratmetern Grundfläche brachte der berühmt-berüchtigte französische Architekt alle notwendigen Funktionen unter Dach und Fach: einen Klapptisch, zwei Hocker, die gleichzeitig Aufbewahrungskästen sind, eine Zimmerdecke, hinter der sich ebenfalls Stauraum verbirgt, eine Toilette und eine Liege. Auf eine Küche verzichtete er ganz, da das Ehepaar sich im Café nebenan verpflegte.

Für Corbusier ging es um die Frage: Wie verbinde ich die eindrucksvolle Landschaft mit der Architektur? Und seine Antwort war so einfach wie verblüffend: Hier lebe ich im Freien - also brauche ich nur eine kleine, schlichte Behausung.

Die Ferienhäuser made in Austria sind meist wesentlich großzügiger konzipiert. Und doch haben sie einiges gemeinsam mit Le Corbusiers Hütte: In ihrem Inneren sind sie auf die wesentlichsten Funktionen beschränkt. Neben einem großen Aufenthaltsraum findet man - ganz anders als beim klassischen Einfamilienhaus - meist nur kleine Schlafzimmer und das obligatorische Bad. Der eigentliche Aufenthaltsraum ist auf das Genießen der umliegenden Natur ausgerichtet.

„Jetzt ist es drinnen wie draußen und draußen wie drinnen“, schwärmt die Bauherrin des Hauses Salgenreuthe. Mitten im Bregenzerwald hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester einige Hektar Land geerbt und dazu ein Ferienhaus aus den 70er-Jahren. Das Haus war für die beiden Familien zu klein und hatte zudem „viel zu kleine Fenster“, um die wunderschöne Natur genießen zu können.

Bernardo Bader, ein junger Architekt aus dem Ort, erweiterte den Bestand um das erlaubte Drittel und packte Alt und Neu in ein frisches Holzkleid aus Lärchenlatten ein. Im Bestand sind drei Schlafzimmer für bis zu sechs Personen und zwei Badezimmer untergebracht. Neu ist der große Wohnraum mit Küche, Essplatz und Wohnbereich. Raumhohe Glasflächen, die teilweise zur Seite geschoben werden können, bieten den erwünschten Ausblick auf die Landschaft.

Kiste in der Schräge

Das Besondere an dem Haus ist, dass es wie ein Solitär mitten auf einer leicht abschüssigen Wiese steht und weit und breit weder eine Straße noch ein Auto zu sehen ist. Auch das ist ein Verdienst des Architekten. „Ich habe nie verstanden, dass man das Auto neben das Haus stellen muss“, erzählt er. Heute führt für das kurze Be- und Entladen ein Schotterrasen zum Haus Salgenreuthe. Die Autos werden danach etwa 80 Meter vom Haus entfernt abgestellt. Dies bedarf natürlich einer gewissen Disziplin. Doch die beiden Familien haben sich inzwischen daran gewöhnt.

Beim Bau des Haus Salgenreuthe haben die Bauherren darauf geachtet, dass überwiegend Handwerker aus der Gegend beschäftigt wurden. Ganz anders bei den beiden Ferienhäusern in Bocksdorf im Burgenland: Zwei befreundete Familien engagierten die Wiener Architekten ARTEC für den Bau ihres neuen Feriendomizils.

Obwohl sich die Wünsche der beiden Familien voneinander unterschieden und die jeweiligen Grundstücke unterschiedlicher nicht sein konnten, haben die Architekten für das Haus B und das Haus S eine ähnliche Konstruktion entwickeln können. Das sparte Zeit und Kosten. Die Konstruktion wurde so weit wie möglich von einer Vorarlberger Holzfirma vorgefertigt. Das eine Haus steht auf einer Hügelkuppe und scheint über der Wiese zu schweben. Das andere liegt mitten am Hang und ist an einen kleinen Altbau angegliedert.

Alt spricht mit Neu

Damit die Bauherren von einem erhöhten Standpunkt aus den Ausblick genießen können, wurde das bestehende Ziegeldach entfernt und durch eine Dachterrasse ersetzt. So spricht also das Alte mit dem Neuen. Nicht nur in der Konstruktion, auch in der Raumaufteilung ähneln sich die zwei Bauten. Beide verfügen über einen großen, verglasten Wohnbereich und eine umlaufende Terrasse, die von jedem Raum des Hauses betreten werden kann. Die Priorität des ferialen Wohnens ist letztlich wie bei Le Corbusier ausgefallen: Was zählt, ist das Drumherum.

10. Juni 2006 Der Standard

Räume für Wohnen und Pflege

Schon 2020 wird jeder vierte Österreicher älter als 60 Jahre sein. Innovative Modelle sind nötig, um die damit verbundenen Wohnungs- und Pflegefragen zu lösen. Nur eine von vielen Varianten werden Alters- und Pflegeheime sein, aber auch sie brauchen neue Zugänge.

Vor dem Eingang verabschiedet sich eine alte Dame. „Bis zum nächsten Sonntag“, sagt sie zu ihrem Besucher und winkt dem abfahrenden Auto nach. Dann dreht sie, auf ihre Gehhilfe gestützt, noch eine Runde um das Haus. Am Rande von Steinfeld, einer Ortschaft im Kärntner Drautal, steht ein dreigeschoßiger Baukörper frei in einem Park. Die beiden oberen Geschoße springen zu allen Seiten über dem Erdgeschoß hervor. „So entsteht ein überdachter Bereich rund um das Haus“, sagt Heimleiterin Sabine Haslacher, „und da sind die alten Leute oft und gern unterwegs“. Entworfen hat das Alters- und Pflegeheim der Grazer Architekt Dietger Wissounig. Er wollte eine Wohnatmosphäre schaffen, wie sie ihm selber angenehm sei, erklärt er. Deshalb habe das Haus einen Hotel-, ja fast einen Spa-Charakter bekommen.

„Medizinische Pflege allein - das reicht schon lange nicht mehr aus“, sagt Franz Kolland. „Die Leute wollen wohnen.“ Der Professor für Soziologie unterrichtet an der Universität Wien und beschäftigt sich unter anderem mit Lebensstilen und Wohnbedürfnissen alter Menschen. Medizinische Pflege allein „wird vielleicht von den Angehörigen als ausreichend empfunden“, räumt er ein, „aber nicht von den alten Menschen selbst“.

Die meisten Leute ziehen erst ins Altersheim, wenn sie kaum mehr gehen können, weiß Architekt Wissounig. „Dann müssen sie ihr gewohntes Milieu und ihre gewohnte, landschaftliche Umgebung verlassen.“ Das kompakte rechteckige Gebäude in Steinfeld hat er so orientiert, dass man von innen zu allen vier Himmelsrichtungen hinausschauen und den vertrauten Ausblick wiederfinden kann.

Von außen wirkt der Bau schlicht und kompakt, im Inneren entfaltet er seine räumliche Vielfalt. In jedem der oberen Stockwerke gibt es ebenfalls einen Rundgang entlang der Zimmer, Gemeinschaftsräume und Terrassen zur einen Seite und einem innen liegenden, dreigeschoßigen Wintergarten zur gegenüberliegenden Seite. Vor allem für Demenzkranke sei es wichtig, so der Architekt, die Übersicht immer zu behalten.

Rundum durchdacht

Das Alters- und Pflegeheim in Steinfeld ist nicht nur ein „außerordentlich gut durchdachter“ Bau, wie ihn schon die Wettbewerbsjury lobte, er erfüllt auch die geforderten ökologischen Kriterien: Er ist bis auf das Erdgeschoß ein reiner Holzbau und als Niedrigenergiehaus konzipiert.

Neben Alters- und Pflegeheimen gibt es erst wenige andere Wohnformen für alte Menschen wie zum Beispiel Wohngemeinschaften, mobile Hausbetreuungen oder das betreute Wohnen. „Das Thema der Hochaltrigkeit gibt es erst seit 20-30 Jahren“, sagt der Soziologe Kolland, „wir haben also wenig Erfahrung damit.“ In Zukunft werden sich daher noch viel mehr Wohnvarianten herausbilden müssen.

Denn die bestehenden sind oft zu kurz gedacht: Das betreute oder betreubare Wohnen etwa, eine Kombination von gemieteten Wohnungen und verschiedenen Serviceleistungen, bezeichnet Franz Kolland als eine Übergangssituation: „Wenn die Menschen pflegebedürftig werden, müssen sie erneut umziehen. Das ist eine große Belastung für sie.“ Er fordert flexiblere Strukturen der Gebäude.

Genau damit hat sich erst kürzlich die Abteilung Facility Management der Hochschule Wädenswil in der Schweiz beschäftigt. Mit dem Ziel, ein flexibles Wohnmodell zu entwickeln, in dem die Bewohner auch beim Eintreten des Pflegefalls nicht umziehen müssen, simulierte man die Entwicklung des Wohnens im Alter. Die Parameter für die Simulation - wann wird jemand pflegebedürftig, verliert seinen Partner oder ändert sein Raumbedürfnis - entnahm man der Statistik. Das dabei entstandene Modell soll nun in die Realität umgesetzt werden.

Allzu strikte Bauregeln

Auch Josefine Mair, Geschäftsführerin von „Caritas für Betreuung und Pflege“, fordert eine größere Vielfalt an Wohnformen: „Wir brauchen Wahlmöglichkeiten.“ Sie spricht von den zu strikten Regeln für den Bau von Alters-und Pflegeheimen, die diese Vielfalt nicht zulassen, und fordert Lockerungen. Um für dieses Thema zu sensibilisieren, veranstaltet die Caritas am 28. und 29. September einen Kongress in der FH Linz unter dem Titel „Wohnen im Alter - Bauen fürs Alter“.

13. Mai 2006 Der Standard

Hongkong meets Heustadel

Immer mehr landwirtschaftliche Nutzgebäude stehen leer, viele dürfen wegen des Ortsbild- schutzes nicht abgerissen werden. Eine will- kommene Herausforderung für Architekten, die Scheunen und Ställe zu Wohnhäusern umzu- bauen. Ein Paradebeispiel steht im Tiroler Lans.

Eigentlich sollte das leer stehende Tennengebäude abgerissen werden. Der Bauherr wollte einen Neubau. Doch die Gemeinde Lans bei Innsbruck lehnte dieses Vorhaben ab - das Ensemble Bauernhaus und Stall musste erhalten bleiben, da es einen markanten Punkt in der Landschaft darstellt. Man einigte sich darauf, den Stall zu einer Wohnung umzubauen. Im Nachhinein für alle die beste Lösung, auch für den Bauherrn Christian Rhomberg: „In meiner Kindheit war der Stadl unser Spielreich, mit magischem Lichteinfall zwischen den Bretterfugen, Astlöchern und Lucken.“ Ein Stück von diesem besonderen Reiz konnte Architekt Martin Scharfetter wieder zum Leben erwecken.

In Österreich stehen viele landwirtschaftliche Nutzgebäude leer. Befinden sich die Ställe, Scheunen oder Mühlen in Schutzzonen, ist ein Abriss nicht möglich. Zunehmend suchen ihre Eigentümer daher in Zusammenarbeit mit Architekten nach Lösungen für Neunutzungen. Diese Bauaufgabe verlangt nach innovativen Ansätzen - für viele Architekten eine gern gesehene Herausforderung.

Eine Umnutzung ist freilich nicht immer unproblematisch. Ist der Bauernhof nebenan in Betrieb, kann dies zu nachbarschaftlichen Konflikten führen: „Wenn der Bauer mit der Gülle rein- und rausfährt, ist das eine Tätigkeit, die nicht dem Wohnen entspricht“, warnt Hans Kordina, Raumplaner in Niederösterreich. Er sieht dennoch in Umnutzungen eine Chance, den Überhang an leer stehenden Stallgebäuden zu verringern, Siedlungsstrukturen aufrechtzuerhalten und Ressourcen zu nutzen.

Zusammen mit dem Österreichischen Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung hat er vor zwei Jahren eine Studie zur „Um- und Neunutzung landwirtschaftlicher Gebäude“ erarbeitet. Daraus könne man zwar keine generelle Empfehlung ableiten, sagt Kordina, aber auf Folgendes sei zugunsten des ungetrübten Wohngenusses immer zu achten: „Teilbarkeit des Grundstückes, getrennte Einfahrt, eigener Garten und Abschirmung gegen den Nachbarn“. Im Wege stehen können rechtliche Bestimmungen, wie der Fall Fiona Swarovski/ Karl-Heinz Grasser und der Bauernhof in Kitzbühel zeigt.

Schachtelhaus am See

Das leer stehende Tennengebäude in Lans ist seit Langem in Familienbesitz. Es gehört zu einem Paarhof und liegt an einem Badesee. Wie eine Schachtelkonstruktion hat Architekt Martin Scharfetter ein neues Haus in die alte Scheune hineingestellt. Der Neubau steht auf dem massiven, halb in den Hang eingegrabenen Untergeschoß des ehemaligen Stalles. Es ist in Fachwerkbauweise errichtet, mit dunkel gestrichenem Holz verkleidet und um einiges kleiner als der Bestand. Dadurch entstehen große Freiräume zwischen der inneren und der äußeren Hülle.

Diese Zwischenräume nutzt der Architekt als Terrassenräume, die „man sonst gar nicht bauen kann, weil man das nicht finanzieren kann“, so Scharfetter. „Vom Kinderzimmer aus kann man ebenerdig auf die Terrasse rausgehen, es ist damit in der Übergangszeit doppelt so groß. Die Kinder schlafen im Sommer draußen.“

Während der Bauzeit blieb die Bestandshülle unangetastet, so konnte man auch im Winter ungehindert weiterbauen. Erst nachdem der Neubau fertig war, wurde das Dach neu gedeckt und die Fassade bearbeitet. Gemeinsam haben Architekt und Bauherr dann von innen nach außen bestimmt, welche der genagelten Bretter der Stallfassade entfernt werden - „je nach Atmosphäre, Licht, Einblicken und Ausblicken“. Die hölzerne, nun durchlöcherte alte Hülle dient als Regenschirm, Sonnen- und Sichtschutz.

Tatami mit Tradition

Die innere Raumgestaltung mit Tatami-Matten stellt eine ungewöhnliche Kombination von ostasiatischer Wohnkultur und traditioneller Bauweise dar. Eine Mischung, die von der familiären Bindung des Bauherren - der mit seiner Familie etwa die Hälfte des Jahres in Hongkong lebt - zu China sowie zu Tirol herrührt. „Es freut mich jedes Mal“, sagt Christian Rhomberg, „wenn ich irgendwo im Haus sitze und mich daran erinnern kann, dass ich hier als Kind mein Pony fütterte, frisches Gras über eine Futterrutsche in den Kuhstall warf oder vom Heustock unterm Dachgiebel auf den Graswagen sprang.“

15. April 2006 Der Standard

Dem Nachbarn so nah

Seit Schrebergärten in Wien ganzjährig bewohnt werden dürfen, entstehen immer mehr von Architekten geplante Kleingartenwohnhäuser. Auch in anderen Städten finden Bauherren Geschmack am Minihaus aus Architektenhand. Schönes Beispiel: Onkel Freds Hütte in Steyr.

So sieht Luxus aus: In einem eigenen Haus mit Garten wohnen, viel Grün drum herum und eine U-Bahn-Station in der Nähe. Die Vor- und Nachteile von Stadt und Land gegeneinander abzuwägen - das steht für viele, spätestens wenn Kinder da sind, auf dem Programm. Die Wiener Kleingärten bieten hier einen guten Kompromiss: Die 32.000 Schrebergärten, die es in Wien gibt, bilden einen grünen Gürtel um die Stadt. Sie sind zentral gelegen und haben gleichzeitig etwas von einer ländlichen Idylle. Von der einen oder anderen Parzelle hat man zudem einen herrlichen Blick auf die Stadt. Seit in Wien das ganzjährige Wohnen in diesen Oasen erlaubt ist, haben viele das Sommerhaus zu ihrer Dauerresidenz gemacht: Bereits mehr als 20.000 Kleingärten wurden für ganzjähriges Wohnen umgewidmet.

Um die Umwidmung müssen sich die Siedlungen kümmern - Voraussetzung sind Infrastrukturmaßnahmen wie Kanalanschluss und Winterwasserleitung. Aber auch dann gelten einschränkende Baubestimmungen. Laut Wiener Kleingartengesetz dürfen die in Kleingärten errichteten Gebäude 50 Quadratmeter Grundfläche, eine durchschnittliche Fassadenhöhe von 5,5 Metern und eine Kubatur von 250 Kubikmetern nicht überschreiten. Das sind zumindest 15 Quadratmeter mehr als zu Zeiten der reinen Sommernutzung.

Enges Planungskorsett

Immer mehr der neu errichteten Objekte beruhen dabei auf Architektenplanungen. Vor allem junge Architekten nehmen sich dieser ungewöhnlichen Bauaufgabe an. Die strengen Auflagen scheinen ihre Fantasie zu beflügeln: Innerhalb des engen Korsetts entwickeln sie raffinierte Raumlösungen.

Ist ein Haus fertig gestellt, kommen oft Folgeaufträge. Denn zum einen sind die Bauaktivitäten seit der Novellierung des Kleingartengesetzes enorm. Zum anderen gilt im Schrebergarten nach wie vor: Es wird genau beobachtet, was in der Nachbarschaft passiert.

„In der Kleingartensiedlung ist alles sehr nah“, weiß auch Architekt Gernot Hertl. Deshalb habe er bei dem von ihm geplanten Kleingartenhaus in Steyr die Ausblicke sehr genau gewählt. „Onkel Freds Hütte“ ist ein Holzhaus mit nur wenigen Öffnungen. Der Namen kommt nicht von ungefähr: Der Bauherr ist wirklich der Onkel des Architekten, und der Bau hat in seiner Kompaktheit und Materialität auch etwas von einer Hütte.

Der Unterschied zu Wiener Kleingärten: Das Haus darf nicht als Hauptwohnsitz genutzt werden und die bebaute Fläche 35 Quadratmeter nicht überschreiten. Dazu kam, dass der Bauherr ein Passivhaus wünschte, was dickere Wandstärken mit sich brachte und die Nutzfläche schrumpfte.

„In Japan hat ein Hotelzimmer zehn Quadratmeter inklusive Badezimmer“, erzählt Alfred Hertl, der Herr der Hütte. Etwa die Hälfte des Jahres ist er beruflich im asiatischen Raum unterwegs und das Leben auf kleinstem Raum gewöhnt. Zudem ist Minimalismus für ihn eine Form der Lebenseinstellung.

Wohnen in der Wanne

Das Haus ist in eine Wanne aus Beton gestellt, die um 1,2 Meter in den Boden versenkt wurde. „Sie dient dazu, den imaginären Wohnraum zu vergrößern“, sagt Gernot Hertl. Der Wohnraum definiert sich nicht über die Gebäudehülle, sondern über die Wanne, die den Terrassenbereich räumlich mit einfasst. Über eine Treppe läuft diese in den eigentlichen Garten aus.

Ein weiterer Kunstgriff des Architekten, jede Form der Einengung zu vermeiden, ist die Decke im Wohnraum, die vor der Glasfassade nach oben verspringt und damit den Ausblick vergrößert. Eine Treppe im Inneren verbindet die beiden Geschoße und trennt zugleich die rückwärtig liegende Küche und das Bad vom Wohn- und Schlafraum ab.

Da Hertl die Parzelle nur gepachtet hat, kann man das Haus aus Holzfertigteilwänden bei Bedarf leicht wieder abbauen. Vorerst aber genießt der Bauherr im Sommer sein Gartenreich und im Winter die ihn umgebende Ruhe.

In Wien ist die Winterruhe in den Schrebergärten längst passé: Immer weniger Siedler nutzen ihre Grundstücke lediglich in den Sommermonaten. Und da man die Parzellen, sobald sie umgewidmet sind, käuflich erwerben kann, ist auch das Miteinander, das vorher durch die Vereinszugehörigkeit geprägt war, ein weniger enges.

18. Dezember 2005 zuschnitt

Mehrfamilienaus in Wien-Nussdorf

Nussdorf zählt zu den besseren Wohnadressen der Hauptstadt. Hier in der Nussberggasse, am Fuße des Kahlenbergs, steht eine alte Villa neben der anderen. Seit ein paar Monaten aber hat sich ein Fremdkörper in das homogene Gefüge eingeschlichen: Ein warm leuchtender Holzbau steht inmitten der herrschaftlichen Steinbauten. Die Rede ist von Haus Sigmund, einem vom Grazer Architekten Hubert Rieß entworfenen Wohngebäude. Auf einem massiven Stahlbetonsockel, der sich tief ins Gelände hineinschiebt und die Autostellplätze birgt, sind 20 Holzmodule über- und nebeneinander gestapelt. Sie bilden zwei parallele Riegel, der vordere zwei- und der hintere dreigeschossig, in denen sechs Wohnungen untergebracht sind. Trotz der schlichten und zurückhaltenden äußeren Gestalt zeigt der Bau eine erstaunlich starke Präsenz in dieser Wohngegend – dank der in seiner Farbe und Materialität einladenden horizontalen Eichenholzverschalung, die das äußere Erscheinungsbild prägt. Er habe immer wieder Autofahrer beobachtet, erzählt Rieß, die langsam und neugierig an dem Haus vorbeifuhren. Der Grazer Architekt ist überzeugt, dass Holz die Kraft hat, Menschen anzusprechen; vorausgesetzt – so räumt er ein – es ist entsprechend gut verarbeitet. So wie ihm dies beim Haus Sigmund gelungen ist.

Dabei kam der Wunsch, hier an diesem Ort in Holz zu bauen, von den Bauherren, da sie sowohl die optischen als auch die haptischen Qualitäten des Materials als ansprechend und wohltuend schätzen. Das Ehepaar Sigmund besaß neben ihrem Haus in der Nussberggasse ein freistehendes Grundstück. Es bat den Architekten Rieß, ein Konzept für ein Mehrparteienhaus zu erarbeiten, das die Fläche optimal ausnützt und – das war das wichtigste Anliegen – nicht die Aussicht aus den benachbarten Giebelfenstern verstellt. Es dauerte sieben Jahre, bis man sich in allen Punkten geeinigt hatte und die 10,4×4,3 Meter großen Holzmodule, die komplett mit Fenster, Dämmung, Sanitär- und Elektroeinrichtung im Werk vorgefertigt wurden, auf einem Lkw zur Baustelle geliefert werden konnten. Die Vorteile der gewählten Modulbauweise aber liegen auf der Hand: Sie ermöglicht eine extrem kurze Bauzeit – was dem Wunsch der Bauherren nach einer geringen Belästigung der Anrainer entsprach. Zudem ist der Bau sofort bezugsfertig.

Eine Konzeptänderung innerhalb der langen Planungszeit aber darf nicht unerwähnt bleiben: Anstelle der zur Straße hin geplanten, ebenerdigen Ordinationen und Büros befinden sich hier nun zwei Wohnungen. Vier weitere erstrecken sich über das erste und zweite Obergeschoss. So ist aus der ursprünglich als Reihenhaus geplanten Anlage ein Geschosswohnbau geworden. Damit kamen auch andere baurechtliche Gesetze zur Geltung: Die Behörde forderte nun eine Fassade in B1, schwer brennbar. Anstelle der oft verwendeten Lärche musste für die Verschalung die teurere Eiche zum Einsatz kommen. Der mehrgeschossige, ebenfalls von Hubert Rieß in Holzbauweise errichtete Wohnbau in der Spöttelgasse in Wien-Floridsdorf, musste genau aus diesen Gründen, so der Architekt, verputzt werden.

27. Oktober 2005 Salzburger Nachrichten

Der Raum-Pionier

Die „Raumkonstruktionen“ des Russen Alexander M. Rodtschenko sind in einer kleinen, feinen Ausstellung im Wiener Museum für Angewandte Kunst zu sehen.

Zu Lebzeiten hat Alexander M. Rodtschenko seine Raumexperimente nie öffentlich gezeigt. Er hielt seine aus Holz oder Pappe gebauten Modelle für zu gewagt, um sie einem breiten Publikum zu präsentieren. Der Mitbegründer des russischen Konstruktivismus zerstörte seine Skulpturen gleich wieder, nachdem...

12. Oktober 2005 Salzburger Nachrichten

Rialto am Donaukanal

Ein spektakuläres Städtebauprojekt stellten Unternehmer Michael Satke und Architekt Gregor Eichinger am Montag in Wien vor: Im Bereich des Schwedenplatzes sollen sich mehrere miteinander verflochtene Brücken über den Donaukanal spannen und ersten und zweitem Wiener Gemeindebezirk verbinden. Nach dem...

6. Oktober 2005 Salzburger Nachrichten

Buntes Bild mit Rahmen

Nach 18 Jahren in einem Dauerprovisorium übersiedelt die ARGEkultur in ein neues Zuhause. Heute, Donnerstag, wird die neue Kulturwerkstatt eröffnet.

Auf den ersten Blick wirkt auch der Neubau in der Josef-Preis-Allee 16 in Salzburg-Nonntal wie ein Provisorium: Ein Bügel aus Sichtbeton faltet sich über drei Geschoße nach oben; bunte Boxen sind in diesen Rahmen hineingeschoben. Die Kärntner Architekten Gerhard Kopeinig und Gerhard Kresitschnig haben...

22. September 2005 Salzburger Nachrichten

Moderne Weinbaukunst

Pünktlich zur Weinlese: Das Wiener Architekturzentrum zeigt österreichische und internationale Beispiele moderner Baukunst aufehrwürdigen Weingütern.

Als die Schweizer Architekten Herzog & De Meuron 1998 die „Dominus Winery“, ein Weingut im kalifornischen Napa Valley, fertig stellten, ging ein Raunen durch die Fachwelt. Gesprochen wurde von einer „Landmark“ einer neuen Weinkultur. Die Architekturstars hatten einem Nutzbau eine Fassade aus Gabionen...

17. September 2005 Salzburger Nachrichten

Endstation Wiesn-Rausch

Ausnüchterungszelle und Kinderfundbüro: Das Münchner Oktoberfest hat eine neue Servicezentrale. Geplant hat den Kupferbau der Berliner Volker Staab.

Die Dame, die ihren Hund über die Münchner Theresienwiese Gassi führt, weiß sofort Bescheid. Ja. Der dunkle Kasten ganz hinten, das sei sie - die neue Einsatzzentrale von Polizei, Feuerwehr und Bayerischem Rotem Kreuz. Während rundherum noch gehämmert wird, die letzten Arbeiten an den bis zu dreizehn...

28. Juli 2005 Salzburger Nachrichten

Leicht wie Seifenblasen

Die Pinakothek der Moderne in München ehrt Frei Otto, den Konstrukteur des Daches im Olympiastadion, mit einer umfassenden Werkschau zum 80. Geburtstag.

„Hört auf zu bauen, wie ihr baut. Das ist widernatürlich.“ Auf dem Monitor sieht man, wie eine Metallschlaufe in eine Seifenlauge eingetaucht, vorsichtig nach oben gezogen wird und ein zeltartiges Dach aus Seifenhaut bildet. Die sensible Konstruktion aber reißt, sobald der Abstand zwischen Laugenoberfläche...

13. Juli 2005 Salzburger Nachrichten

Identität in Stein und Glas

Eine eindrucksvolle Ausstellung im Jüdischen Museum in Wien begibt sich auf die Suche nach jüdischer Identität in der modernen Architektur.

In den vergangenen 15 Jahren haben immer wieder Bauwerke für jüdische Einrichtungen das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen. Man denke nur an das erst kürzlich eröffnete Holocaust-Mahnmal von Peter Eisenman oder das ebenfalls in Berlin befindliche Jüdische Museum von Daniel Libeskind. Neben...

9. Juli 2005 Salzburger Nachrichten

Stadt aus Energie

Für das Wiener Museum für Angewandte Kunst hat der US-Architekt Lebbeus Woods die Zukunft Wiens skizziert: Sein Projekt will das Energie-system der Stadt aufwirbeln.

„Der Gedanke, dass die Zentren der alten europäischen Hauptstädte eines nach dem anderen zu kulturellen Freizeitparks für den Tourismus werden, ist mir zutiefst verhasst“, sagte Lebbeus Woods aus Anlass seines ersten Wien-Besuches. Das war vor 15 Jahren. Heute ist der New Yorker Architekt und Architekturkritiker...

30. Juni 2005 Salzburger Nachrichten

Wunderland Vorarlberg

Warum gibt es im westlichsten Bundesland Österreichs so viel und so aufregende Architektur? Im Wiener Architekturzentrum wird dies nun erklärt.

In Graz wurde erst jüngst eine Vortragsreihe zur „Grazer Schule der Architektur“ veranstaltet. In den 1980ern hatten hier engagierte Architekten viele hervorragende Bauten hervorgebracht, die unter dem Sammelbegriff „Grazer Schule“ internationalen Rang erlangten. Die Initiatoren der Veranstaltung wollten...

21. Juni 2005 Salzburger Nachrichten

„Stützen sind total sinnlos“

Coop Himmelb(l)au gelten als Österreichs wichtigster Architekturexport. In München sind derzeit zwei ihrer prestigeträchtigen Gebäude im Bau.

„Ich hasse Stützen“, sagt Werner D. Prix, „ich finde sie total sinnlos“. In dieser Aussage schwingt der Traum vom Fliegen mit. Diesem Traum folgt Prix mit seinem Partner Helmut Swiczinsky seit die beiden Coop Himmelb(l)au sind. Daher überspannt auch bei einem ihrer aktuellen Aufträge ein 16.000 Quadratmeter...

20. April 2005 Salzburger Nachrichten

Kühne Hüllen voller Kraft

In Rotterdam gibt die Ausstellung „No. 250“ einen beeindruckenden Einblick ins Werk der international renommierten Architekten Herzog & de Meuron.

Vor dem Eingang steht das Modell einer Moschee, das mit goldenem Glitter bezogen ist. Viele Besucher bemerken es, verbinden es aber nicht mit der Ausstellung „No. 250“ der Architekten Herzog & de Meuron, für die sie in das Museum gekommen sind. Es ist die Zayed-Al-Nahyan-Moschee aus Abu Dhabi. Der gleichnamige...

5. April 2005 Salzburger Nachrichten

Die Metamorphosen des Frosches

Sinn für Poesie: Das Grazer Architektenteam „Splitterwerk“ - Vortrag in Salzburg am 6. April

„Schau mal, ein Frosch“, ein kleines Mädchen zieht am Rockzipfel seiner Mutter und zeigt auf ein Haus in Form eines überlebensgroßen Tieres. Keine Angst, es ist nur ein Traum. Doch wenn es nach dem Architektenteam „Splitterwerk“ geht, kein unrealistischer: „Wir arbeiten gerade daran ein Gebäude zu entwickeln,...

4. März 2005 Salzburger Nachrichten

Nachwirkungen eines Unbekannten

Mehr Mitbestimmung in der Architektur: In Wien wird das Gesamtwerk von Ottokar Uhl gezeigt

Ottokar Uhl ist nicht der bekannteste unter den österreichischen Architekten. Doch er zählt zu den prägenden Gestalten der österreichischen Architektur nach 1950. Wurde er vergessen oder verdrängt? Für den Wiener Architekten ist Bauen stets ein Prozess, in den der Laie miteinbezogen werden muss. Bei...

15. Dezember 2004 Salzburger Nachrichten

Die Sinne anrühren

Das Museum für Angewandte Kunst in Wien präsentiert in einer umfassenden Retrospektive das Werk des US-Architekten und Theoretikers Peter Eisenman.

„Ich will beunruhigen“, und dies nicht mit Hilfe von Bildern, sondern über primäre körperliche Erfahrungen, sagt der US-amerikanische Architekt Peter Eisenman. Gemeint hat er damit sein im Bau befindliches „Denkmal der ermordeten Juden Europas“ in Berlin, das am 10. Mai 2005 eröffnet werden soll. Allerdings...

28. September 2004 Salzburger Nachrichten

Ein Spiel mit Oberflächen

Pinzgauer Architekt Rüdiger Lainer: Ausstellung in Berlin, Vortrag in Salzburg

„Ornament und die Tiefen der Oberfläche“: Unter diesem Titel präsentiert die renommierte Berliner Architekturgalerie „Aedes East“ noch bis zum 14. Oktober Bauten des österreichischen Architekten Rüdiger Lainer. Sechs Gebäude - zwischen 2001 und 2004 fertig gestellt - sind zu sehen: zwei Kinocenter („Cineplexx...

28. August 2004 Salzburger Nachrichten

Schein-Bauten

Die Ausstellung „Reserve der Form“ im Wiener Künstlerhaus beschäftigt sich mit dem Phänomen des ersten und zweiten Blicks in Design und Architektur.

Während der Wiener Festwochen 1982 konnten die Wiener auf dem Karlsplatz im Sand liegen und sich den Bauch bräunen lassen: Sonne, Strand und Wasser auf dem Karlsplatz! Margot Pilz hatte den Bereich rund um den bestehenden Teich mit ein paar Tonnen Sand auffüllen lassen, eine Palme und drei Liegestühle...

17. August 2004 Salzburger Nachrichten

Eine Bühne für das Leben bauen

„Querkraft“ gehören zu den Architektenteams aus Österreich, die heuer auf der Biennale in Venedig zu sehen sein werden

„Querkraft“ Architekten: bauen, planen, entwerfen unkonventionelle Projekte in Österreich", ist auf der Internetseite der Wiener Architektengruppe zu lesen. Dass Jakob Dunkl, Gerd Erhartt, Peter Sapp und Michael Zinner erfolgreich bauen ist offensichtlich: Seit der Gründung von „Querkraft“ im Jahr 1998...

Publikationen

2011

Wonderland Manual for Emerging Architects

The manual provides a unique overview of the most important issues that need to be dealt within the first 5 years of an architecture practice. The book was conceived as a combination of three already published wonderland magazines (in an updated form) and two additional chapters of unpublished material.
Hrsg: Anne Isopp, Wonderland, Silvia Forlati
Verlag: SpringerWienNewYork