Bauen am Netzwerk des Lebens
Die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) erkundet drei Wiener Infrastruktur-Cluster, wo sich Energie, Sport, Mobilität, Wasser, Versorgung und Entsorgung verdichten.
Brücken, Tunnel und Umspannwerke. Datencenter, Müllverbrennung und Wassertürme. Mal sind sie unsichtbar, mal unübersehbar, meist nehmen wir sie als selbstverständlich hin. Als technisches Zubehör, selten als Architektur. Dabei stecken viele Architekturideen und Ingenieurleistungen in ihrer Planung. Es sind Bauwerke, die jene Netzwerke der Versorgung sichtbar machen, die unser Alltagsleben ermöglichen. Die Energiekrisen der letzten Jahre haben uns gezeigt, wie verletzlich diese Netzwerke sind.
Wie diese Bauten und Räume aussehen und warum, das zeigt die 13. Ausgabe der Architekturtage, die Ende Mai in ganz Österreich stattfinden. Das biennal stattfindende Festival für Baukultur und Ingenieurtechnik steht 2026 unter dem Motto „Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags.“ Eine stolze Leistungsschau der Planer – und der Zivilgesellschaft, denn diese Infrastrukturen sind auch ein Stück Demokratie.
„Wir sind stolz, mit den Architekturtagen die große Bandbreite zu zeigen, mit der Baukultur im Alltag bewegt“, freut sich Barbara Frediani-Gasser, Präsidentin des Vereins Architekturtage. Kuratiert werden die über 300 Veranstaltungen von zehn Architekturinstitutionen in neun Bundesländern. Ein Vorschau-Rundflug zu einigen Highlights von West nach Ost:
Vorarlberg und Tirol
Das Vorarlberger Architekturinstitut (vai) lädt mit der ÖBB Infrastruktur zum Combi Cargo Terminal in Wolfurt und spaziert ganztägig unter dem Titel „Participate on Route 68°°“ in Feldkirch entlang der Infrastrukturbaustelle in der Illschlucht, mit künstlerischen Interventionen an jeder Station.
Auch das Innsbrucker Aut. Architektur und Tirol ist im ganzen Bundesland unterwegs, per Rad zu vorbildlichen Brückenbauwerken und per Bus unter dem Motto „Abfahrt zum Abfall“ zum Recyclingzentrum Ahrental, das pro Jahr 80.000 Tonnen Rest- und Sperrmüll verarbeitet.
Salzburg und Oberösterreich
Stadt und Land werden von der Initiative Architektur in Salzburg erkundet: Flachau mit einem innovativen Verkehrskonzept und Thalgau mit ausgezeichneter öffentlicher Architektur – von Bildungs- und Pflegeeinrichtungen bis zur Begegnungszone. Das Afo Architekturforum Oberösterreich lädt in Linz zu Erkundungstouren mit Vertretern der Stadtentwicklung und bietet ein reichhaltiges Besichtigungs- und Vortragsprogramm beim Architekturfrühling Haslach im Mühlviertel.
Kärnten und Steiermark
Eine buchstäblich naheliegende Kooperation in Sachen Infrastruktur haben sich das AHK Architekturhaus Kärnten aus Klagenfurt und das HDA – Haus der Architektur aus Graz ausgedacht: Sie fahren gemeinsam durch den Koralmtunnel und erkunden, wie dieses Großinfrastrukturprojekt die beiden Bundesländer räumlich zusammenbringt. Daneben bieten beide natürlich eigene Programme: mit baukulturellen Landpartien in sieben Regionen der Steiermark und einem offenen Labor am HDA selbst sowie einer Bustour zu Kelag-Kraftwerken und einem vielstimmigen Infrastruktur-Radiotag in Kärnten.
Wien und Niederösterreich
Das Architekturzentrum Wien AZW öffnet die Türen seines eigenen Depots in Möllersdorf, einer Schatzkammer der Architekturgeschichte, und besucht die U2-Tunnelbohrmaschine im Untergrund. Die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) erkundet (teils gemeinsam mit dem AZW) drei Wiener Infrastruktur-Cluster, wo sich Energie, Sport, Mobilität, Wasser, Versorgung und Entsorgung verdichten.
Orte Architekturnetzwerk Niederösterreich widmet sich der Lebensader Donau, zwischen Renaturierung des Flusses und Reaktivierung der Wachaubahn, und den neuen Möglichkeiten, die die Umnutzung eines 24.000 Quadratmeter großen Fabrikareals in Traiskirchen bietet.
Burgenland
Windparks und anderen Energiequellen auf der Spur ist Architektur Raumburgenland, das zudem ein spielerisches Kinderprogramm und ein Freiraum-Happening im Schlosspark Eisenstadt bietet. Und all das ist natürlich längst nicht alles – das komplette Festivalprogramm ist auf der Architekturtage-Website veröffentlicht.