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Vor etwa zwei Jahren gründeten Mitglieder der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Wien, Niederösterreich und Burgenland den Ausschuss für Wohnbau und Leistbarkeit. Das Angebot an leistbarem Wohnraum geht seit Jahren zurück – auch wegen der hohen Baukosten und der geringeren Neubauproduktion. Rechtzeitig zur Landtagswahl in Wien hat der Ausschuss ein Schreiben an PolitikerInnen initiiert, um aufzuzeigen, wie es gelingen kann, günstigen Wohnraum für alle zu schaffen und zugleich die Klimaschutzziele einzuhalten. Architektin Ulrike Schartner, Vorsitzende des Ausschusses Wohnbau und Leistbarkeit, erklärt, warum im Stadtumbau eine Chance liegt, mehr leistbaren Wohnraum zu schaffen, und warum es dafür eine Umbauordnung braucht. Denn der Umbau bestehender Bauten muss konkurrenzfähig zum Neubau sein.
Bei den Bemühungen um leistbares Wohnen dürfen wir den Klimaschutz nicht außer Acht lassen. Wenn wir weiter wie bisher neu statt im Bestand bauen, werden wir die Klimaziele nicht erreichen, egal wie ökologisch der Neubau ist. Wir müssen den Leerstand aktivieren und die Rahmenbedingungen für das Bauen im Bestand verbessern. Unsere Bauordnung ist eine Neubauordnung. Wir aber brauchen eine Umbauordnung, denn Wien ist eine Bestands- und keine Neubaustadt.
Durch einen Stadtumbau können wir wieder zu einer Leistbarkeit des Wohnens kommen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, mehr aus dem zu machen, was bereits da ist. Durch Umbau und Nachverdichtung vermeiden wir Abbruch. Damit Sanierung günstiger wird als Neubau, muss der Bestand neu bewertet werden, indem auch ökologische Werte wie die Lebenszykluskosten und die graue Energie mit in die Betrachtung einfließen. Wir müssen Umbau in den Ausschreibungen priorisieren und in die Förderungen einbringen. Die Einführung einer Umbauordnung und des Gebäudetyps E würde zudem die Rahmenbedingungen für das Bauen im Bestand deutlich verbessern.
Unser zweites Hauptthema neben dem Stadtumbau sind Quartiere für leistbares und gesundes Leben. Wir müssen hier Synergien schaffen durch Förderung liegenschaftsübergreifender Sanierungen und Weiterentwicklungen und wir müssen innovative, alternative Wohnmodelle und deren Finanzierung fördern. Wenn wir wieder mehr leistbaren Wohnraum schaffen und zugleich etwas für den Klimaschutz tun wollen, reicht es nicht, nur an einer Schraube zu drehen. Wir müssen die Gesamtzusammenhänge erkennen.“
Ulrike Schartner führt mit Alexander Hagner das Architekturbüro gaupenraub+/-. Sie lehrt an verschiedenen Universitäten und ist im Sektionsvorstand ArchitektInnen der Kammer der ZiviltechnikerInnen der ArchitektInnen und IngenieurInnen für Wien, Niederösterreich und Burgenland. Sie ist Vorsitzende des Ausschusses Wohnbau und Leistbarkeit.