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Der Mensch als Massstab
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Krankenhausprojekte im Pariser IFA
20. März 2000 - Hans Hartje
Um zu ermessen, worum es bei der Ausschreibung zur «behutsamen Modernisierung» des Cognacq-Jay-Krankenhauses in Paris ging, bedarf es eines historischen Rückblicks. Die Institution geht auf eine Geburtsklinik zurück, die vor exakt 100 Jahren von den beiden Gründern des Kaufhauses La Samaritaine gegründet wurde. Seit 1978 indes leben in den Gebäuden nur noch Todkranke, zu denen sich seit 1997 Aids- und Krebspatienten gesellen. Dieser Patientenstruktur und den daraus sich ergebenden Pflegeerfordernissen hatten die fünf Teilnehmer an dem 1999 ausgeschriebenen Architekturwettbewerb Rechnung zu tragen: Architecture Studio, Chemetov und Huidobro, Jean Nouvel, Dominique Perrault sowie der Preisträger Toyo Ito, der hier seinen ersten europäischen Wettbewerbserfolg verzeichnen konnte. Die Ergebnisse sind noch bis zum 14. Mai im Pariser Institut Français d'Architecture (IFA) zu sehen. Allen Projekten gemein ist eine augenfällige Zurückhaltung in der architektonischen Federführung, und allen dienen ganz ausdrücklich der Mensch und das Recht des Sterbenden auf eine menschenfreundliche Architektur als Massstab. Allein schon diese Lektion lohnt einen Besuch.
[ Concours pour l'hôpital Cognacq-Jay. Hrsg. Frédéric Nantois. Editions IFA, Paris 2000. 28 S., fFr. 25.- (in der Ausstellung). ]
[ Concours pour l'hôpital Cognacq-Jay. Hrsg. Frédéric Nantois. Editions IFA, Paris 2000. 28 S., fFr. 25.- (in der Ausstellung). ]
Für den Beitrag verantwortlich: Neue Zürcher Zeitung
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