Bauwerk

Holzparkhaus Wendlingen
Herrmann + Bosch - Wendlingen am Neckar (D) - 2024
Holzparkhaus Wendlingen, Foto: Roland Halbe
Holzparkhaus Wendlingen, Foto: Roland Halbe
1. April 2025 - newroom
Mit rund 350 Stellplätzen auf fünf Ebenen, zahlreichen E-Ladestationen für Autos und E-Bikes sowie gesicherten Abstellmöglichkeiten für 200 Fahrräder fördert das kreislaufgerechte Holzparkhaus umweltfreundliche Mobilität. Seine Park+Ride-Funktion trägt zur Verkehrsentlastung der ganzen Umgebung bei.
Es liegt zwischen dem Bahnhof und der Konversionsfläche „OTTO-Quartier“, die auf einem ehemaligen Industrieareal der Textilbranche zukünftig Büros, Flächen für Handel, Gastronomie und Start-ups, Hotels, Wohnungen, eine Kita sowie Orte für Begegnungen von Jung und Alt bieten soll.
Das Parkhaus ist ein Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (iba’27) und fällt durch seine ungewöhnliche ovale Form auf, die sich aus der Geometrie des Grundstücks herleitet und die größte Flächeneffizienz ermöglicht. Hohe Nutzerfreundlichkeit ergibt sich durch die Stützenfreiheit der Parkgeschosse und die zentral im Innern angelegte Rampenanlage. Die symmetrisch an den Längsseiten des Parkhauses außen sitzenden, offenen Treppenhäuser ermöglichen eine klare Orientierung sowohl von außen, als auch von innen.
Zwei unterschiedliche Fassaden erfüllen unterschiedliche Funktionen: Durch die Schallschutzfassade aus transluzentem Profilglas auf der Nordseite ist die künftige Wohnbebauung vom Parkhausgeschehen abgeschirmt. Die offene Südfassade mit vorgeblendetem Edelstahlnetz lässt sich gebäudehoch beranken.

Die Tragstruktur besteht aus Brettsperrholzdecken, die als Deckenscheiben ausgebildet sind, und, aus Brettschichtholzstützen und -trägern. Aus statischen und brandschutztechnischen Gründen sind die Rampen als Betonfertigteile und die beiden Fluchttreppenhäuser, die das Haupttragwerk aussteifen, in Stahlbeton ausgeführt.
Die Brettschichtholzträger spannen jeweils als Einfeldträger von der Rampenanlage zur Fassade und schaffen somit weitgehende Stützenfreiheit. In den Rundungen des Grundrisses sind die Träger radial angeordnet und laufen zur Rampe hin sternförmig an einer Eckstütze zusammen.
Alle Holzbauelemente wurden vorgefertigt und baukastenartig in kurzer Zeit zusammengesetzt. Die Verbindung der Träger und Stützen durch einfache Stecksysteme (Sherpa-Verbinder) macht die Konstruktion reversibel. Abbau und Wiederaufbau an anderer Stelle oder die anderweitige Verwendung der Tragelemente sind leicht umsetzbar. Auch wurden keine Verbundmaterialien verwendet, selbst im Bodenaufbau ist der Oberbelag über eine Trennlage von der Holzdecke getrennt, sodass der einfache Rückbau, die sortenreine Trennung und damit die die Rezyklierbarkeit der Materialien garantiert ist.
Die im Vergleich zu konventionellen Parkhäusern sehr große Geschosshöhe ermöglicht einen zukünftigen (stufenweisen) Umbau des Parkhauses in eine Wohn- oder Arbeitswelt mit natürlich belichtetem Innenhof anstelle der Fahrrampe.
Die auf dem begrünten Dach montierte Photovoltaikanlage versorgt die E-Ladestationen mit Strom. Das Parkhaus ist natürlich belüftet und kommt ohne Brandmeldeanlage aus.
Die Dach- und Fassadenbegrünung sind außerdem Teil eines vielschichtigen Regenwasserkonzepts, das einen möglichst natürlichen Wasserhaushalt zum Ziel hat, Grundwasserneubildung und Verdunstung fördert und nur überschüssiges Wasser gedrosselt in die Kanalisation gelangen lässt. (Autor: Achim Geissinger, nach einem Text der Architekten)

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